Probeaufsätze 9a

Liebe 9a,

wie versprochen sind hier einige Beispiele eurer Aufsätze (natürlich anonymisiert), anhand derer ich euch noch ein paar Hilfestellungen für die KA morgen geben möchte. Zunächst solltet ihr die folgenden Dateien öffnen:

Probeaufsatz A

Probeaufsatz B

Probeaufsatz C

Bevor ich Einzelheiten anspreche, möchte ich anmerken, dass fast alle Aufsätze, die ihr mir geschickt habt, deutlich besser waren als im ersten Testdurchlauf. Die Hauptgründe hierfür sind, dass sie klarer strukturiert sind und eine höhere Zahl relevanter Analyseaspekte beinhalten.

Allerdings kann man einige Dinge noch verbessern, wovon ich eine Auswahl besprechen möchte.

Zu Aufgabe 1: Aufbau

Vergleicht bitte die Einleitungen in den drei Beispieltexten und lest dann weiter.

Text A formuliert eine sehr kurze und neutrale Einleitung und bezieht sich nur auf die Handlung der Kurzgeschichte. Im Gegensatz dazu versucht Text B jedoch, das eigentliche Thema zu bestimmen. Der Ansatz von Text B ist besser, auch wenn über die genaue Formulierung des Themas diskutiert werden kann. Zudem habt ihr dadurch den Vorteil, dass sich ein roter Faden für eure Analyse herauslesen lässt. Wenn ihr später die Erzählerperspektive analysiert, könnt ihr deutlich machen, welchen Anteil die Erzählerperspektive bei der Gestaltung des Themas hat. Text C hingegen benennt eher nebensächliche Informationen in der Einleitung und verliert dadurch an Aussagekraft.

Der Schluss ist in den Texten A-C eher knapp gehalten und könnte ggf. um eine persönliche Bewertung ergänzt werden. In den anderen Aufsätzen ist er nicht immer klar abgegrenzt zum Hauptteil.

Zu Aufgabe 2: Inhaltsangabe

Die Zusammenfassungen sind in fast allen Fällen zu detailliert. Informationen darüber, wie genau die Ich-Erzählerin Geld verdient oder welche Unternehmungen Vater und Tochter zusammen machen, sind nebensächlich. Problematisch ist vor allem, wenn die Erzählstrategie der Kurzgeschichte nicht aufgelöst wird und erst zum Schluss deutlich gemacht wird, dass der Fremde der Vater des Mädchens ist. Dem Mädchen ist sofort bewusst, dass es sich bei dem der ‚fremden‘ Stimme um ihren Vater handelt, nur der Leser wird bis zum Schluss der Geschichte im Unklaren gelassen. Zudem sollte bei der Inhaltsangabe auf Zitate verzichtet werden.

Zu Aufgabe 3:

Bei der Charakterisierung der Figuren ist es ratsam, bei der Beschreibung ‚von außen nach innen‘ zu beschreiben, z.B. zu folgenden Aspekten: äußere Erscheinung, allgemeine Lebensumstände, soziales Umfeld, Gedanken und Wertvorstellungen, Probleme.

Zu Aufgabe 4 + 5:

In vielen Probeaufsätzen (und in Beispiel C) wird erst gegen Ende das Erzählverhalten analysiert. Das ist insofern problematisch, weil die Analyse der Erzählerinstanz dann kaum mit dem Inhalt der Geschichte und dem Rest der Analyse verknüpft wird. Text C liefert einen schönen Ansatz für die Analyse der Erzählhaltung (auch wenn es eher eine auktoriale und nicht personale Ich-Erzählerperspektive ist), der Absatz wirkt leider nur etwas isoliert vom Rest des Texts. Text B bestimmt die Erzählperspektive zwar korrekt, geht aber zu knapp auf die Wirkung ein. Text A geht ebenfalls unzureichend auf die Wirkung der Erzählerperspektive ein, beschreibt aber die auktoriale Ich-Perspektive am besten. Was deutlich werden sollte ist, dass gerade die Erzählperspektive zum einen dazu genutzt wird Spannung aufzubauen (der Leser bekommt nur einen Ausschnitt an Informationen) und zum anderen, das entfremdete Verhältnis zwischen Vater und Tochter zu beschreiben. Wie Text C deutlich herausstellt, eignet sich eine Ich-Erzählung gerade dazu, um die Emotionen und persönlichen Gedanken einer Figur darzustellen. Dies wird bei Julia Franck bewusst untergraben.

Leider geht kaum ein Text näher darauf ein, dass der Leser von der Erzählerfigur bis zum Schluss der Geschichte in die Irre geführt wird. Dies ist jedoch eines der wichtigsten erzählerischen Mittel dieser Geschichte. Die Beschreibung des Kennenlernens wird zunächst als moralisch höchst fragwürdig erscheinendes Treffen zwischen einer Teenagerin und einem älteren Mann beschrieben, bei dem auch häufig ‚Geschenke‘ gemacht würden. Aus diesen Informationen hätte sich auch eine Missbrauchsgeschichte entwickeln können. Erst rückblickend bzw. beim erneuten Lesen kann der Leser nachvollziehen, wie stark die Entfremdung der Tochter gewesen sein muss und wie mühsam der Annäherungsprozess war, bevor er durch den Tode des Vaters frühzeitig beendet wurde. Die allein zurückbleibende Tochter schaut zurück auf das Kennenlernen ihres Vaters – es ist ein Teil ihres Aufarbeitungs- und Verarbeitungsprozesses,  an dem der Leser hier teilnimmt – so könnte man die Geschichte zumindest deuten.

Die Symbolik der Geschichte wird in den meisten Texten richtig erfasst, lest dennoch die verschiedenen Beispiele, um eure Ergebnisse zu ergänzen.

Zum Schluss nur noch ein Appell: Mehr Textbelege! Ihr müsst alle (!) Analyseergebnisse und Interpretationen mit Textstellen belegen! Entweder durch direktes Zitieren oder sinngemäß (vgl. Z. x-y).

Ich wünsche euch morgen viel Erfolg!

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